Der ungarische Oppositionsführer Péter Magyar fügte Viktor Orbán am Sonntag eine vernichtende Wahlniederlage zu und beendete damit die 16-jährige Herrschaft des nationalistischen Ministerpräsidenten mit einem überwältigenden Sieg. Die Ergebnisse lösten weltweit bei globalen rechtspopulistischen Bewegungen und in europäischen Hauptstädten gleichermaßen Schockwellen aus.
Magars Mitte-rechts-Partei Tisza errang 138 Sitze im 199-köpfigen ungarischen Parlament – eine komfortable Zweidrittelmehrheit, die ihr verfassungsändernde Befugnisse verleiht. Orbáns regierende Fidesz-Partei kam lediglich auf 55 Sitze, was die deutlichste Niederlage für Europas dienstältesten Regierungschef seit seiner Rückkehr an die Macht im Jahr 2010 markiert.
Die Wahlergebnisse sind noch nicht endgültig, aber die Situation ist verständlich und klar. Das Wahlergebnis ist schmerzhaft für uns, aber klar. Die Verantwortung und die Möglichkeit zu regieren wurden uns nicht übertragen. Ich habe dem Sieger gratuliert.
Viktor Orbán, scheidender Ministerpräsident — Radio Free Europe
Die Niederlage bedeutet mehr als nur einen innenpolitischen Wandel. Orbán war zu einer Schlüsselfigur der globalen populistischen Bewegung geworden: Er galt als Trumps engster europäischer Verbündeter und als wichtigster Fürsprecher Putins innerhalb der Europäischen Union. Sein Ausscheiden beseitigt ein zentrales Hindernis für die EU-Einheit in der Unterstützung der Ukraine und könnte Milliarden an eingefrorenen EU-Mitteln für Ungarn freisetzen.
Magyar, ein 45-jähriger Anwalt und ehemaliger Orbán-Loyalist, führte einen unermüdlichen Wahlkampf gegen Korruption und alltägliche Probleme wie den Verfall des Gesundheitssystems und marode öffentliche Verkehrsmittel. Sein rasanter Aufstieg begann vor gerade einmal zwei Jahren, als er sich nach einem Begnadigungsskandal in einem Kindesmissbrauchsfall von Fidesz lossagte.