Tausende Menschen versammelten sich am Samstag vor dem Rathaus von Saint-Denis, um gegen Rassismus zu protestieren. Der Anlass: Der neu gewählte schwarze Bürgermeister des Vororts war nach seinem Sieg im März wochenlang rassistischen Angriffen und Kommentaren ausgesetzt.
Bally Bagayoko, der die Bürgermeisterwahl bereits in der ersten Runde am 15. März gewonnen hatte, rief zu der Demonstration auf, nachdem er seit Amtsantritt wochenlang rassistische Beleidigungen und Belästigungen erlebt hatte. Der 55-jährige Politiker malischer Herkunft vertritt die linksgerichtete Partei La France Insoumise, die von Jean-Luc Mélenchon geführt wird.
Der Streit eskalierte nach Auftritten in der rechtspopulistischen TV-Sendung CNews, in der Kommentatoren Bagayoko mit „der Familie der Menschenaffen“ verglichen und ihm eine „dominante männliche“ Haltung vorwarfen. Dabei wurden Parallelen zu primitiver Stammesführung gezogen.
Wir kommen hierher, um mit Entschlossenheit und Klarheit unsere tiefe Verbundenheit mit den Werten der Republik zu bekräftigen, die von denen verkörpert werden, die Erben der Einwanderung sind
Bally Bagayoko, Bürgermeister — RFI
Das Bürgermeisteramt erhält täglich Anrufe, in denen gefragt wird, ob es sich um das „Rathaus der Affen“ oder das „Rathaus der Schwarzen und Araber“ handele, wie France Info berichtet. Diese Anrufe hängen offenbar mit einer verzerrten Interpretation von Bagayokos Aussage nach der Wahl zusammen. Er hatte Saint-Denis als „Stadt der Könige und des lebendigen Volkes“ bezeichnet, was in rechtsextremen Kreisen zu der falschen Behauptung führte, er habe von einer „Stadt der Schwarzen“ gesprochen.